Heute jährt sich zum 66. Mal die Befreiung Europas vom deutschen Faschismus. In der Nacht zum 8. Mai 1945 unterzeichnete eine Delegation der deutschen Wehrmacht in Reims die bedingungslose Kapitulation. Einen Tag später schwiegen in Europa die Waffen. Ein Krieg war beendet, der schon lange vorher verloren war. Die alliierten Truppen hatten bereits einen Großteil Deutschlands besetzt, die Rote Armee hatte nach 14-tägigem Kampf am 30. April 1945 Berlin erobert. Die letzten Verteidiger des „Vaterlandes“, der sogenannte „Volkssturm“ waren schlecht bewaffnete Greise, Kinder und kaum organisierte Truppenteile, die in den letzten Kriegstagen noch „verheizt“ wurden. Auch der „Führer“ Adolf Hitler hatte die Niederlage erkannt, als er sich kurz vor Kriegsende in seinem Bunker erschoss.

Ein Krieg war beendet und ein Kontinent von einer Diktatur befreit, die unsäglich viel Leid über die Völker der Welt brachte. Über 62 Millionen Menschen weltweit verloren infolge der faschistischen Diktatur in Deutschland und ihrer Kollaborateure sowie des imperialistischen, von Deutschland ausgehenden Krieges ihr Leben. Sie wurden in Lagern ermordet, in Gefängnissen hingerichtet, von Bomben zerfetzt. Sie wurden wegen ihrer angeblichen Zugehörigkeit zu einer minderwertigen Rasse, ihren politischen oder religiösen Weltanschauungen, ihrer sexuellen Orientierung oder nur aufgrund ihres Menschseins, ihrem Widerstand gegen Versklavung, Krieg und Völkermord ermordet.

Für die Menschen außerhalb Deutschlands, vor allem in den alliierten Ländern war der 8. Mai der Tag des Sieges. Für die Deutschen, ob Verbrecher oder Nichtverbrecher war es der Tag des Aufatmens, denn der Krieg war beendet. Es drohte ihnen kein Bombenalarm mehr oder der Einzug in den „Volkssturm“. Für alle war es der Tag der Befreiung. Für die Menschen, die in Lagern und Gefängnissen ihrer Vernichtung entgangen sind; für die Menschen, die sich nicht mit dem Faschismus abgefunden haben und Widerstand gegen ihn geleistet haben; für die Menschen, die sich nun nicht mehr länger durch Gewehrläufe gegenseitig ansehen mussten und für deren Mütter, Frauen, Kinder, die nicht länger um das Leben ihrer Söhne, Männer und Väter fürchten mussten.

Der Faschismus kam jedoch nicht von ungefähr. Er war und ist, eine logische Konsequenz aus dem sich in einer Krise befindenden kapitalistischen System, wo Millionen Menschen ihre Arbeit verloren haben, Hunger leiden und sich deshalb für die Hoffnung auf Brot und Arbeit blenden lassen. Es waren Großindustrielle, wie die Krupps, die die Faschisten finanziell und durch ihren Einfluss auf politische Persönlichkeiten förderten und sie zu ihrem Nutzen an die Macht setzten. Der Faschismus diente ihren Interessen an billigen Arbeitskräften und leicht auszubeutenden Rohstoffquellen und somit der Ausdehnung ihrer Macht.

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

So lautet ein Teil des Schwures von Buchenwald, jenes Konzentrationslager dessen Häftlinge sich im April 1945 kurz vor dem Eintreffen der US-Truppen selbst befreiten. Dieser Schwur ist mit zum Leitfaden der Antifaschistinnen und Antifaschisten geworden. Aber wie steht es nun 66 Jahre danach in Deutschland mit den Faschisten?

Faschistische Parteien, allen voran die NPD dürfen nahezu ungehindert agieren sind in einigen Kommunalräten und Landtagen vertreten. Unter anderem dort verbreiten sie ihr Gedankengut, welches sich nahtlos an die Ideologie der NSDAP anschließt. Ein Verbotsverfahren der NPD im Jahr 2001 scheiterte noch vor Beginn aufgrund der Bundesregierung, die sich weigerte V-Leute zu enttarnen und so den Faschisten Rückendeckung gab.

 

Sogenannte „Freie Kameradschaften“, bestehend aus militanten Neonazis, verüben Gewalttaten auf ihre politischen Gegner oder Menschen, die einfach nur nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen. Sie agitieren Jugendliche in dem sie sich demagogisch als „nationalen Widerstand“ gegen das herrschende System, den Kapitalismus, in Szene setzen und ihnen erlebnisorientierte Aktivitäten, wie zum Beispiel Demonstrationen Zeltlagern und Konzerte anbieten.

Der Handel mit Rechtsrock-CDs, Kleidung, Büchern und DVDs mit nazistischem Inhalt blüht und bringt viele junge Menschen in die Szene herein.

Immer wieder marschieren Nazis, durch starke Polizeiaufgebote vor jeglichen Protesten und Versuchen, sie zu behindern geschützt, rechtlich abgesichert durch Gerichte, die sich auf die allgemeine Meinungs- und Versammlungsfreiheit berufen. Dabei scheuen die Faschisten auch nicht davor zurück an durch antifaschistische und antimilitaristische Aktionen geprägten Tagen zu protestieren. Warum sollten sie auch? Gehört doch diese Vorgehensweise zu ihrer Strategie, sich durch linke Phrasendrescherei anzubiedern und als antikapitalistische Kraft darzustellen!

So marschierten sie auch um den Antikriegstag herum auf, den sie für ihre Parole „Nie wieder Krieg, nach unserem Sieg!“ missbrauchten.

 

Im Einklang mit den Nazis und deren Leugnung der Verbrechen des Faschismus, verdrehen revanchistische Politiker und „Historiker“ die Geschichte. Da wird das Leid der deutschen Vertriebenen, losgelöst von der Ursache für den Krieg, der zu ihrer Vertreibung führte und dem Leid der Millionen vertriebenen Polen, Russen, Tschechen, Slowaken in den Vordergrund gestellt und eifrig die Verantwortung der Großindustriellen geleugnet.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Faschisten äußern keine Meinung oder Ansicht, nein, sie verherrlichen eine menschenverachtende und mörderische Diktatur und möchten eine solche erneut aufbauen!

Und jeder, der Nazis marschieren lässt, ihre Parteien zulässt, vor ihnen die Augen verschließt oder die Geschichte verdreht, zieht diesen Schwur von Buchenwald, das Gedenken an die ermordeten Widerstandskämpfer, ja das Gedenken an die Millionen durch den Faschismus ermordeten Menschen in den Schmutz.

Am 8. Mai 1945 ist Europa zwar vom deutschen Faschismus an der Macht befreit worden, aber die Befreiung von faschistischen Kräften und deren Einfluss insgesamt steht noch aus.

Jedoch kann diese Befreiung nicht im Kapitalismus stattfinden, da er immer neuen Nährboden für die Faschisten bietet. Nur eine Gesellschaftsform, die über den Kapitalismus hinausgeht kann eine Zerschlagung faschistischen Strukturen und eine Welt des Friedens und der Freiheit mit sich bringen.

Aber bis dies erreicht ist gibt es auch jetzt Mittel und Wege Nazis zu bekämpfen und in ihren Freiräumen einzuschränken. Diesen antifaschistischen Kampf müssen wir weiterführen. Auch im Andenken an die Menschen, die die Befreiung erkämpft haben und derer, die sie nicht mehr erleben konnten, da sie Opfer des Faschismus wurden.

Nie wieder Faschismus, Nein zum Krieg!!