Sonntag, 16.9, 16 Uhr

Kulturhaus Taranta Babu (Humboldtstrasse. 44)

Veranstalter: SALZ Bildungskreis Dortmund, Verein zur Förderung der interkulturellen Lesekultur und Medienkompetenz (Taranta Babu)

Wenn jedes Jahr der vielen Opfer der Anschläge vom 11.September 2001 in New York gedacht wird (9/11), uns die Bilder der Anschläge in jedem Fernsehkanal begegnen und tagelang in allen Medien über Ver­schwörungstheorien spekuliert wird, ist ein anderer 11.9. den Medien keine Nachricht wert. Er wird in unserer heutigen kapitalistischen Weltord­nung gewollt verdrängt: Die Rede ist vom 11.9.1973, an dem in Chile die rechtmäßig gewählte sozia­listische Regierung unter Salvador Allende durch das Militär weggeputscht wurde.

Auch dieser 11.9. endete mit von Flugzeugen zerstörten Regierungs­gebäuden: der Moneda in Santiago de Chile. Der Putsch beendete das Projekt eines chilenischen Sozialismus, und er war gleichzeitig der Beginn einer äußerst systematisch vorgehenden und blutigen Diktatur.

Der Putsch war aber vor allem die Voraussetzung für das erste neoliberale Laboratorium der von Milton Friedmann ausgebil­deten „Chicago-boys“, die mit Hilfe des Diktators General Pinochet und des sich neu formierenden Kapitals das ganze Programm ihrer Doktrin durch­setzen konnten: Privatisierung der Sozialsysteme und öffentlichen Dienstleistungen, der Bildung, Deregulierung sowie die Zerschlagung von Arbeiter- und Landarbeitergewerkschaften…

Von den zahlreichen südamerikanischen Diktaturen waren die in Chile und jene in Argentinien die blutigsten. Wie wird diese Vergangenheit – die, wie stets in die Gegenwart hereinwirkt – in diesen beiden Ländern bearbeitet? Wer wird wie zur Rechenschaft für seine Taten gezogen? Wer bemüht sich um Gerechtigkeit und wie verlaufen die sich daraus ergebenden Auseinandersetzungen?

Die vergleichende Analyse dieser Entwicklungen hat sich Manfred Koch zum Ziel einer Studienreise 2012 gesetzt: Darüber wird er an diesem Tag berichten. Koch, der schon nach dem Putsch in der Chile-Solidarität aktiv war, hat mehrere Wochen in Chile und Argentinien zugebracht und vor allem mit Zeitzeugen, Betroffenen und heute Aktiven gesprochen.

Dazu gibt es Filmmaterial zum Thema (vor allem aus Argentinien), eine Diskussionsrunde zu Chile heute – und die Vorschau auf 2013, wenn aus Anlaß von 40 Jahren Putsch einige Aktivitäten in Dortmund stattfinden werden, ein bißchen (chilenische) Musik und viele informelle Gespräche.