refugees-welcome-sdajSeit Dienstag, den 9. Juni 2015 protestiert eine Gruppe syrischer Geflüchteter mit einem Protestcamp in Dortmund. Sie fordern eine schnelle Bearbeitung ihrer Asylanträge und erleichterte Bedingungen zum Familiennachzug. Denn trotz Zusage der Bundesregierung schnell zu helfen, werden ihre Asylverfahren in die Länge gezogen und so sind ihre Familien weiterhin vor dem von westlichen Staaten mitgeschürten Krieg bedroht. Viele der Geflüchteten haben ihre Frauen und Kinder über viele Jahre hinweg nicht gesehen und Schlimmes auf ihrer Flucht erlebt.

In Erzählungen schilderen sie, wie Menschen mit überfüllten Booten oder in engen Autos über verschiedene Länder nach Deutschland flohen. Manche versuchten in Worte zu fassen wie sie wichtige Menschen im Krieg verloren haben. Andere erzählten uns, wie ihre Familien in Syrien auf den Tod warten. All diese Wut, Angst und Verzweiflung leitet die Flüchtlinge dazu ihre Forderungen in dem Protestcamp öffentlich zu machen. Durch den Einsatz der Polizei und zahlreichwer UnterstützerInnen konnte das Camp trotz zwischenzeitlichen Einschüchterungversuchen der Neonazis bislang geschützt werden. Die Flüchtlinge zeigen sind dankbar für die Unterstützung der DortmunderInnen, welche sich solidarisch zeigen indem sie das Camp besuchen, benötigte Dinge spenden und das Gespräch suchen. Am heutigen nachmittag haben wir bei einem Besuch unsere Solidarität mit dem Anliegen der Geflüchteten erklärt, welche hier eingesehen werden kann, und veröffentlichen nun unser Statement. Wer sich solidarisch zeigen möchte, kann auch eine Petition an das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit unterzeichnen:

Solidaritätserklärung

Seit vergangenem Dienstag (9. Juni 2015) protestiert ihr mit einem Camp gegen die Verzögerung eurer Anträge auf Asyl und die Regelungen der Dubliner Abkommen, welche die Abschottung der Europäischen Union (EU) weiter festigen. Mit diesem Schreiben möchten wir unsere Solidarität mit euren Forderungen und eurer Aktion sowie unseren Respekt euch gegenüber zum Ausdruck bringen.

Euren Forderungen nach Annullierung der Dubliner Abkommen, schnelleren Aufenthaltsbewilligungen, einem erleichterten Nachzug der eigenen Familie, Deutschkurse für alle Geflüchteten und erleichterten Zugängen zu Arbeit, Ausbildung und Studium schließen wir uns an. Für uns sind das Recht auf Asyl, Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte für alle Menschen die Grundlagen zur Entfaltung der Möglichkeiten jedes Einzelnen und so Voraussetzungen einer solidarischen Gesellschaft. Die repressive Abschottungspolitik der EU, die tagtäglich Menschen das Leben kostet, lehnen wir ab. Wir fordern hierzu auch die Abschaffung der Agentur FRONTEX, welche mit militärischen Mitteln zur Aufrechterhaltung der „Festung Europa“ beiträgt.

Dass die Bundesregierung ihre Zusage, eure Anträge schneller zu bearbeiten, nicht einhält, überrascht uns leider wenig, da seit Jahren das Asylrecht verschärft wird und Deutschland maßgeblich am politischen Kurs der EU beteiligt ist. Mit Wirtschaftssanktionen, Waffenlieferungen oder direkten Beteiligungen der Bundeswehr schürt der deutsche Imperialismus Konflikte auf der Welt. Ob in Syrien, im ehemaligen Jugoslawien, Libyen – die Bundesregierung sieht sich nur selten in der Verantwortung, sich um die Folgen für die von Zerstörung und Leid betroffenen Menschen zu kümmern. Darum ist es wichtig, ihr Handeln zu kritisieren und diese Folgen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch darum solidarisieren wir uns mit eurer Aktion und unterstützen diese im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Wir wünschen euch weiterhin viel Kraft und Mut bei eurem Protest und hoffen, dass die Versuche der Neofaschisten euch und eurer Sache Schaden zuzufügen, weiterhin vergeblich sein werden. Wir solidarisieren uns mit euch, denn das Recht auf Leben in Sicherheit und Frieden ist für uns ein Grundrecht. Wir unterstützen geflüchtete Menschen, die hier Frieden, Gerechtigkeit und eine neue Heimat suchen.

Herzlich Willkommen in Dortmund,

eure SDAJ

(Juni 2015)