Am 17.04.2017 zogen etwa 100 Friedensaktivisten von Bochum in die Nordstadt. Wir als SDAJ haben gemeinsam am Ostermarsch teilgenommen um auf die deutsche Kriegspolitik in Syrien aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren. Mit Fahnen und Transparenten sind wir von Dorstfeld aus mit gelaufen und haben ein 5×3 Meter großes Transparent mit der Aufschrift „Stoppt die Kriegspolitik in Syrien“ gut sichtbar in einem Baum aufgehangen. Bei dem Abschlussfest haben wir an unserem Infostand mit unseren Cocktails wieder einmal gezeigt, das Friedenspolitik auch Spaß machen kann.

Glaubt man den herrschenden Politikern und ihren Medien, geht es bei dem Kriegseinsatz in Syrien um Solidarität mit Frankreich nach den Terroranschlägen von Paris. Tatsächlich geht es um die Verschärfung eines seit Jahren andauernden Krieges der USA und ihrer NATO-Partner, darunter Deutschland, zur Neuaufteilung des Nahen und Mittleren Ostens. Es geht, worum es bei imperialistischen Kriegen immer geht: Um Rohstoffe, Ressourcen und Einflusssphären.

Im Mittleren und Nahen Osten standen und stehen dem Zugriff durch imperialistische Länder unter anderem die Regierungen des Irak und Syriens entgegen. Deshalb wurden diese Länder zerschlagen, ihre Regierungen destabilisiert. Deshalb wurden Oppositionskräfte in Syrien ausgebildet, bewaffnet und finanziert und terroristische Banden wie der IS aufgebaut, denen man nun den Kampf angesagt hat.

Der deutsche Imperialismus steht dabei nicht abseits. Er profitiert unter anderem durch Waffen- und Rüstungsexporte in die Kriegsregion. Exemplarisch für die Heuchelei steht die Türkei als NATO-Vorposten in der Region. Während die NATO im Namen der Menschenrechte den IS bombardiert – und dabei vor allem die Zivilbevölkerung und Infrastruktur trifft -, liefert Erdogan Waffen an die Terrororganisation, bietet Rückzugsräume und kauft ihr das dem Staat gestohlene Öl ab. Gleichzeitig führt sie aus innenpolitischen Gründen einen brutalen Krieg gegen die PKK, deren bewaffnete Kräfte wirksamen Widerstand gegen den IS leisten.

Timo Budszuhn sprach für die SDAJ:

Liebe Genossen und Genossinnen,

liebe Mitbürger der Dortmunder Nordstadt,

vor 84 Jahren wollte die faschistische SA durch die Nordstadt marschieren. Auch damals lebten hier schon Menschen verschiedenster Herkunft und Religion. Auch damals haben hier schon Menschen gewohnt, die Monat um Monat schauen mussten, wie sie über die Runden kommen. Sie alle verband die Not, die tägliche Plackerei und die Willkür, mit der sie von ihrem Chef und der Polizei behandelt wurden. Als dann die faschistische SA mit ihrem Gebrüll von Rasse und Volksgemeinschaft hier durch marschieren wollte, sagten die Nordstädter: „Nein! Ein Angriff auf einige von uns dient nur dem Angriff auf uns alle! Die Religion und die Herkunft unserer Nachbarn ist kein Problem für uns, sondern unser aller Problem sind die Bosse und Konzernbesitzer. Sie lassen einen Teil von uns zu Tode schuften, während der Rest betteln muss!“

Als die Faschisten hier auf Widerstand stießen, half ihnen bereitwillig die Polizei wie sie es auch heute immer wieder und wieder tut. Die Polizei schoss damals auf die Nordstädter, die sich den Faschisten in den Weg stellten. Wie viele sie dabei verletzten und töteten, war ihnen egal, es waren ja nur Arbeiter der Dortmunder Nordstadt. Auch heute marschieren, besonders hier in Dortmund, immer wieder Faschisten und die Polizei boxt ihnen den Weg frei. Auch heute tritt die Polizei uns, den Bürgern und Bürgerinnen der Nordstadt mit Verachtung und Geringschätzung entgegen. Auch heute nutzen Polizei und Justiz rassistische Erklärungsmuster, ob bei NSU oder bei sogenannten verdachtsunabhängigen Kontrollen.

Wir gedenken hier der Opfer der rassistischen Polizeigewalt von 1932, weil das alles keine Einzelfälle waren und keine Einzelfälle sind!

Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen,

in den 20er und 30er Jahren leistete die Nordstadt nicht nur Widerstand gegen die Faschisten. Die Menschen der Nordstadt wussten auch damals nicht, ob sie nächsten Monat Arbeit haben werden oder nicht. Sie wussten nicht, wie sie sich neue Klamotten kaufen oder die Miete bezahlen sollten. Ein Teil der Menschen hatte Arbeit und schuftete sich die Knochen kaputt, um was zu futtern zu haben. Und die keine Arbeit hatten, taten alles um dem Hunger zu entkommen. Diese Not kannten sie alle und sie wussten, woher diese kommt. Während sie nämlich Tag für Tag schufteten, um gerade etwas zu essen zu haben, kutschierten die Hoesch, die Krupps, die Thyssens und andere Großindustrielle in neuen Autos herum und tranken Sekt.

Um der Not, der zerstörerischen Plackerei und der hungernden Arbeitslosigkeit zu entkommen, kannten sie ein Ziel und eine Losung: „Arbeit für alle und zwar so, dass keiner daran kaputt geht!“ Da die Fabrikbesitzer das nie durchsetzen wollten, hieß es auch: „Die Fabriken denen die arbeiten! Und die Häuser denen die darin wohnen!“ Um das zu erreichen, kämpften sie mit den Gewerkschaften und der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Wir gedenken heute hier der Generationen von Männern und Frauen, die hier dafür kämpften, dass wir nicht nur zur Arbeit Geduldete in diesem Stadtteil sind, sondern zusammen mit allen anderen Werktätigen Herren in diesem Land!

Unterhalten Sie Ihren Besucher! Machen Sie es einfach interessant und originell. Bringen Sie die Dinge auf den Punkt und seien Sie spannend.

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Doris Borowski sprach für die DKP:

Liebe Freundinnen, Freunde, Genossinnen und Genossen!

14 Jahre sind es, dass die DKP – zunächst mit dem Linken Bündnis Dortmund – hier an der Stele des Nordmarktes des Nazi-Überfalls auf die Nordstadt Dortmunds und damit des Widerstandes der Menschen dieses Stadtteils gegen den braunen Terror gedenkt!

14 Jahre, in denen Nazi Übergriffe auch und in hohem Maße gerade in Dortmund zugenommen haben – reicht da ein Gedenken aus? Sicher nicht, aber – wir brauchen den historischen Rückblick, erst durch ihn können wir formulieren: Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen! Für Faschisten – das zeigt die Geschichte und leider auch die Gegenwart – darf es keinen Platz, keine Straße, kein Gebäude geben!

Doch zunächst der Blick zurück: Was geschah am Sonntag, den 16. Oktober 1932? Bereits in den Tagen vor dem 16. Oktober berichtete die Dortmunder Presse von Überfällen, Messerstechereien von Nationalsozialisten und SA-Leuten auf Arbeiter vor allem aus der Nordstadt.

Der Dortmunder Norden ist ein Arbeiterviertel und besonders von der Wirtschaftskrise getroffen. Dortmund war insgesamt in vergleichsweise hohem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen. 33% der Bevölkerung waren ohne Arbeit, 40% auf öffentliche Unterstützung angewiesen.

Aus Elli Dost: „Im Norden geht die Sonne auf“ S. 40

„ … Mit meiner Mama politisierten wir oft. Die Arbeiter in unserem Stadtviertel hatten Hitler nicht gewählt, sie waren größtenteils links eingestellt. Sie sangen über Jahre hinweg das Lied, das um die Welt ging:

Völker, hört die Signale, auf zum letzten Gefecht.

Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

Dieses Lied haben wir als Schulkinder auch schon immer gesungen. Ich ging in eine Freie Schule, in der Schillerstraße, das Fach Religion gab es da nicht. Als ich dort in der Oberklasse war, sagte der Lehrer zu mir, na, du kannst ja am besten Gedichte aufsagen, willst du eines lernen und im Gewerkschaftshaus vortragen?! Ich war vor Freude ganz aus dem Häuschen. Ich lernte fleißig mit meinem Bruder Paul. Er foppte mich, wenn ich mit heißen Backen deklamierte:

Not und Sorgen!

Früh morgens um fünf der Wecker schrillt

für die kapitalistischen Sklaven.

Der Körper ist wieder erholt, gestählt,

der Mensch hat lange genug geschlafen.

Wortlos er sein Stück Brot verzehrt,

mit Margarine bestrichen.

Seine Klagen blieben unerhört,

nie ist die Not von ihm gewichen.

Die Not, die nur den Proleten erfaßt,

die ihn verfolgt bis zum Grabe.

Die Wangen hohl, der Blick verschleiert,

dann braucht ihn der Kapitalist nicht mehr,

doch Gnadenbrot geben fällt ihm zu schwer.

Dem Staate fällt zur Last die verbrauchte Kraft,

der Mensch, der sein Leben lang schwer geschafft

und trotzdem nichts erspart, errafft.

Mit Bettlergroschen er sein Leben erhält.

Denn was der Staat gibt an Rentengeld

kann kaum fürs Brot im Monat reichen.

So geht’s den Armen –

wie geht’s den Reichen? …“

Jedoch nehmen die Menschen ihre Lage nicht bedingungslos hin, immer wieder führen Gewerkschaften, KPD und SPD Demonstrationen, Streiks und Hungermärsche für die Verbesserung der sozialen Lage durch.

Soziale Demagogie und offener Terror der Faschisten haben in der Dortmunder Nordstadt bisher keinen großen Erfolg gehabt, Arbeiterwiderstand und antifaschistische Aktionen sind hier – auch vier Monate vor der Machtübertragung an Hitler – ungebrochen aktiv und lebendig.

Dies ist der politischen Reaktion, der NSDAP und dem hinter ihnen stehenden Kapital ein Dorn im Auge. Von Papen, Vertreter der Rechten, betont, dass „kein Mittel scharf genug sein kann, um kommunistische Ideen mit Stumpf und Stiel auszurotten“. Er spricht am 16. Oktober 1932 vor „Wirtschaftsführern“ im Dortmunder Stadttheater. Seine Regierung steht für Notverordnungen, Entdemokratisierung und Zunahme des Massenelends.

An diesem Tag versammeln sich am Westfalendamm etwa 800 bis 1000 uniformierte Nationalsozialisten: angeblich, um in der Nordstadt „eine Flugblattaktion durchzuführen.“ Der Dortmunder Polizeipräsident Zörgiebel sorgt für verschärften Streifendienst im Norden und Polizeischutz für die Nazis, die in mehreren Trupps von 80 bis 100 Mann über Weißenburger- und Münsterstraße in die Nordstadt geleitet werden.

Gegen diese Provokation der Faschisten kommt es an mehreren Stellen zu massiver Gegenwehr der Bewohnerinnen und Bewohner, besonders in der Alsenstraße, Stollenstraße und der Mallinckrodtstraße. Zwischen 10.30 und 11.30 Uhr ereignen sich Straßenschlachten und Schießereien, in deren Folge der Vorarbeiter Ernst Graberg und Martha Gregarek tödlich getroffen, und 14 Menschen schwer verletzt werden.

Nach etwa einer Stunde werden die Nazis von der Polizei wieder in den Dortmunder Süden zurück geleitet.

An den nächsten Tagen kommt es zu zahlreichen Protesten, so führt die Hochofenbelegschaft von Union einen halbstündigen Proteststreik durch.

Dagegen zeigen die Schlagzeilen der bürgerlichen Presse: „Nationalsozialisten von Kommunisten beschossen“ – „Zum Kommunistenüberfall im Norden“ – „ Heftige Zusammenstöße von Nazis und Kommunisten“ wie die Ereignisse umgedeutet, Täter und Opfer ausgewechselt werden.

Drei Tage später finden Hausdurchsuchungen im Norden statt, angeblich sucht man Waffen – von Maßnahmen gegen die am Überfall beteiligten Nazis wird nichts berichtet.

Die Bewohner der Nordstadt bleiben wachsam und alarmiert, was die Nationalsozialisten von weiteren „Flugblattaktionen“ abhält. Ein Erfolg der entschlossenen Bewohnerinnen und Bewohner der Nordstadt.

So die Reaktionen damals! Vier Monate später wird Hitler durch Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.

Aus Elli Dost: „Im Norden geht die Sonne auf“ S. 43/44

„ … nun marschierte die SA durch die Straßen. Die galizischen Juden, die im Dortmunder Norden wohnten, wurden aus den Häusern geholt, getreten und geprügelt. Ihre Klamotten warf man aus den Fenstern auf die Straße. Ich kam gerade aus der Stadt, als ich das sah. Oh du lieber Himmel, dachte ich.

Einige Zeit später saß ich mit meinem Sohn und meiner Mama am Nordmarkt an der Claustalerstraße. Da war etwas Grün, da gingen die Menschen hin, um etwas Erholung zu bekommen. Meine Mama hockte da oft auf einer Bank, strickte und stopfte Strümpfe; die Menschen erzählten von ihren Nöten. – Jetzt wurde nur noch getuschelt.

Auf einer Bank saß ein Mann, einer von den Linken, den Rotfrontkämpfern. Die SA marschierte an ihm vorbei. Sie sangen:

Die Straße frei den braunen Bataillonen,

SA marschiert mit ruhig festem Schritt …

Das Lied verstummte, der Zug hielt. Können Sie nicht grüßen? Sagte einer von den SA-Leuten.

Guten Tag, sagte der Mann.

Es heißt HEIL HITLER, schrie der SA-Mann.

Guten Tag, sagte der Mann auf der Bank.

Da schlugen sie ihn mit den Gewehrkolben zum Krüppel. …“

Liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen!

Wie viele Morde, Übergriffe, Drohungen und Anschläge von Rechten sind in den 14 Jahren, in denen wir an die faschistischen Opfer 1932 hier am Nordmarkt erinnern, in Dortmund geschehen?

Aber: Im September fanden sich über 40 antifaschistische Gruppen, Organisationen und Parteien in einer Kampagne zusammen, die sagt: “ Es reicht – stoppt rechte Gewalt!“

Am 24. September fand unter diesem Motto eine beeindruckende Demonstration durch Dortmund statt.

Dies muss ein gemeinsamer Anfang sein, gegen rechte Gewalt, aber auch ihre Verharmlosung in Politik und Presse.

Aus: „Der Freiheit eine Gasse“ S.84, Julius Fucik: „Ihr, die ihr diese Zeit überlebt.“

Der tschechische Kommunist Julius Fucik wurde mit 185 weiteren Widerstandskämpfern 1943 in Plötzensee enthauptet. In seinen nachgelassenen Notizen heißt es:

„ … Ihr, die ihr diese Zeit überlebt, vergesst nicht. Vergesst die Guten nicht und nicht die Schlechten. … Ich möchte, dass man weiß: Dass es keine namenlosen Helden gegeben hat, dass es Menschen waren, die ihren Namen, ihr Gesicht, ihre Sehnsucht und ihre Hoffnung hatten, und dass deshalb der Schmerz auch des letzten unter ihnen nicht kleiner war als der Schmerz des ersten, dessen Name erhalten bleibt. … Denn die Menschenpflicht endet nicht mit diesem Kampf, und ein Mensch zu sein wird auch weiterhin ein heldenhaftes Herz erfordern, solange die Menschen nicht ganz Menschen sind. …“

Liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen,

rechtes Gedankengut wird geschürt mit der Menschenverachtung gegenüber den Flüchtlingen, die das Ergebnis der Kriege im Nahen Osten und Afrikas sind.

Lassen wir Hetze, Provokationen, Rassismus der Neonazis nicht zu!

Benennen wir die Verursacher der heutigen Kriege, die Verursacher von unendlichem Leid! Stellen wir klar, wer an Krieg und Flüchtlingselend verdient – denn, so sagte Max Horkheimer: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen!“

HP_1„Avanti lebt, Avanti kämpft!“ – diesen Satz konnte man in der vergangenen Woche an vielen Orten in der Dortmunder Nordstadt sowie der City hören und lesen. Wer sich auch nur an einem der Programmpunkte der Freiraum-Kampagne beteiligt oder die Aktivitäten verfolgt hat, kann bestätigen, wie wahr diese Aussage ist. Mit einem vielfältigen Programm aus Filmvorführungen, Vorträgen, Diskussionsrunden, Kunstaktionen, Kundgebungen, Partys, Workshops und manchem mehr hatte die Initiative Soziales Zentrum Avanti vom 6. bis zum 12. April nach Dortmund geladen. Das Programm konnte offensichtlich überzeugen, denn nicht selten platzten die Veranstaltungsorte aus allen Nähten. Aus Dortmund, der Umgebung und selbst aus anderen Bundesländern kamen interessierte Menschen zum Erfahrungsaustausch, zum Mithelfen und Feiern. Die im August 2014 mit der Besetzung und siebentägigen Nutzung der leer stehenden Albertus-Magnus Kirche in der Enscheder Straße ins Leben gerufene Initiative startete mit der Kampagne aus der Winterpause. Denn nach regelmäßigen Tresenabenden, kreativen Aktionen zur Nutzung des öffentlichen Raumes, wie einer Kissenschlacht auf dem Nordmarkt und realen wie symbolischen Besetzungen war es ruhiger geworden. Im Folgenden werden wir einige unserer Erfahrungen und Impressionen teilen, die wir aus der tollen Aktionswoche mitgenommen haben.

Leerstand markiert und besetzt

Die Woche startete früher als erwartet, in der Nacht von Samstag (4.4.2015) auf Sonntag mit der Besetzung eines ehemaligen Gartencenters in der Bornstraße 245 durch SympathisantInnen der Initiative Avanti. Leider entschied sich der Besitzer sehr schnell gegen Verhandlungen mit den BesetzerInnen. HP_7So konnte die Polizei in das Gebäude eindringen und die Besatzung beenden. Glücklicherweise fiel bei der Aktion niemand in die Hände der Repressionsorgane. Eine Solikundgebung vor dem Haus verleihte der Forderung nach einem unkommerziellen und selbsverwalteten Sozialen Zentrum Nachdruck. Im Laufe der Woche wurden nun immer wieder leerstehende Häuser symbolisch besetzt und so der seit Jahrzehnten andauernde Leerstand in der Stadt aufgezeigt. Einen guten Überblick bietet in diesem Zusammenhang auch die Homepage Leerstandsmelder.
Den symbolischen Besetzungen folgte in der Nacht von Freitag auf Samstag dann die tatsächliche Besetzung eines ehemaligen Aldi-Supermarktes im Lütgenholz 43 am Rande des Brunnenstrassenviertels. Bis zu 90 UnterstützerInnen sammelten sich in nach der Besetzung vor dem Haus. Mit Transparenten, Sprechchören und einer ersten Einrichtungsspende in Form eines Sofas wurde die Aktion unterstützt. Als ersichtlich wurde, dass lokale Neonazis sich in der Nähe sammelten, reagierten die UnterstützerInnen mit einer Abwandlung des Rauch-Haus-Songs: „Das ist unser Haus – Schmeißt doch endlich Brück und Bals und Giemsch aus Dortmund raus“. Leider machte die Dortmunder Polizei weitere Einrichtungspläne mit einer Räumung schnell zunichte. Diesmal nahm sie dabei etwa 10 BesetzerInnen fest und verfrachtete sie zum Polizeipräsidium. Ein Teil der UnterstützerInnen zog daraufhin spontan dorthin, um die AktivistInnen nicht alleine zu lassen. HP_4Zu nennen sei hierbei, dass die Polizei, obwohl sie Kontakt mit dem Besitzer aufgenommen hat, trotzdem das den Zaun aufgeschnitten hat und das Tor mit einem Rammbock aufgebrochen hat. Dieser Schaden wäre mit der Nutzung eines Schlüssels zu diesem Gebäude zu vermeiden gewesen. Das sollte  künftigen Hausbesitzern als Warnung dienen, sollten sie die Polizei mit der Räumung ihrer ungenutzter Räume beauftragen.
Ein Höhepunkt dieser Woche war sicher auch die Freiraumparade am vergangenen Samstag (11.4.2015), welche bunt und lautstark für ein Soziales Zentrum warb und von vielen PassantInnen positiv aufgenommen wurde.

Vernetzung, Input, Party

Die Besetzungen und die Demo sind jedoch nur ein Teilaspekt dieser Aktionswoche. Bei den lokalen Medien kam das anscheinend nicht an, da diese sich auf Berichterstattung zu den Besetzungen beschränkten. HP_8So fanden eine Reihe weitere Veranstaltungen statt. Mit Workshops zu Demo-SanitäterInnen, Flyergestaltung und Einführungen in die Gestaltung von Stencils, Buttons etc. sowie Inputs zu Rechtshilfetips für HausbesetzerInnen und Datensicherheit wurden praktische Kenntnisse vermittelt. Wie Kämpfe um Freiräume aussehen können berichteten AktivistInnen der Initiativen Recht auf Stadt Ruhr, des Netzwerk X und aus der Villa in Bochum. Weitere Impulse setzten einige Dokumentationen über soziale Kämpfe im städtischen Raum, wie Mietrebellen über die Entwicklung der Mieterinitiativen in Berlin und Buy, buy St. Pauli über den Kampf um die Esso-Häuser. Am Freitag wurde mit einem Vortrag und einem ZeitzeugInnen-Gespräch ein vielfältiger Blick zurück in die bewegte Geschichte Dortmunder Hausbesetzungen in den 19070ern und 1980er Jahren geworfen. Insgesamt wurde deutlich, dass Freiraum in Form von Häusern vieles umfassen kann: unabhängigen Wohnraum, Raum für Kunst und Kommunikation, einen Infoladen für die Szene und vieles mehr. HP_9Wo potentielle Orte dafür sind, zeigte auch eine Leesrstands-Schnitzeljagd auf. Da auch der motivierteste Kampf noch immer nicht ohne Mampf auskommt, organisierte die Initiative diverrse, dankbar angenommen, Mahlzeiten. Die Abendstunden wurden mit Livemusik und Party gefüllt. In wechselnden Lokalitäten gab es Hip Hop, Liedermacher, Punk und anderes auf die Ohren. Dank des Einsatzes vieler helfender Hände konnten immer wieder schicke Transpis, T-Shirts und anderes bestaunt und unter die Leute gebracht werden. Einen Überblick zu den Aktivitäten der einzelnen Tage bieten auch die Tagesberichte der Initiative: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag.

Der Obrigkeit ein Dorn im Auge

HP_10Seitens der Polizei ernteten die Freiraumtage eine besondere Aufmerksamkeit. Diese drückte sich, neben der obligatorischen Begleitung aller Aktionen mit einer Riege von ZivilpolizistInnen, durch allerlei Schikanen aus. So wurde das öffentliche Grillen am Mittwoch unterbunden und am Donnerstag AktivistInnen willkürlich der Zutritt zum Hafengebiet und Fredenbaumpark untersagt. Ebenso wurde die Anmeldung von Kundgebungen bei der Besetzung des ehemaligen Supermarktes nicht gestattet. Bereits am Freitag nachmittag verzögerte sich die Leerstand-Schnitzeljagd aufgrund von langwierigen Personenkontrollen im Polizeikessel. Die Dortmunder Polizei erhöhte in der Woche ihr Streifenaufkommen in der Nordstadt merkbar und postierte zeitweilig BeamtInnen vor leerstehenden Häusern. Mit der Aufforderung an AnwohnerInnen verdächtige Aktivitäten zu melden wurde das Schreckgespenst Besetzung sprichwörtlich an die Wand gemalt. Die AktivistInnen ließen sich hiervon jedoch nicht abschrecken. Die diversen Besetzungen durch FreundInnen der Idee Avanti zeigen, dass eine lückenlose Überwachung der Nordstadt nicht funktioniert.

Perspektiven entwickelt

Die Reflexionsrunde am Sonntag formulierte abschließend einige Perspektiven und Optionen für die Initiative und ihre UnterstützerInnen. Zu hören war viel positives Feedback, praktischen Tipps und Anregungen für das weitere Vorgehen. Die Kampagne wurde als erfolgreich ausgewertet, da sie zur Vernetzung und Aktivierung beitrug und sichtbar machte, dass man zusammen eine ganze Menge auf die Beine stellen kann und der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleiben muss. Trotz geringer Aufmerksamkeit durch lokale Medien konnten über Social Media und eigene Medien neue Leute erreicht werden, wenn auch ein breites Umfeld wie bei der Besetzung der Albertus-Magnus-Kirche (noch) nicht wieder zustande kam. Wie dies zukünftig HP_3erreicht werden kann war ein Schwerpunkt der Reflexion. Die Anregungen der TeilnehmerInnen für das weitere Vorgehen verdeutlichten, dass die Initiative ein Bedürfnis nach selbstverwaltetem Freiraum zu wecken und auszudrücken vermag. Sie erfährt dabei aus verschieden Richtungen Unterstützung und hat offenbar den Willen weiterhin unbequem zu sein. Aktuell liegen die Verhandlungen mit der Stadt zwar auf Eis, da das Liegenschaftsamt angeblich keine Räume für eine Nutzung anbieten kann. Und bislang konnte auch noch keines der Gebäude dauerhaft gehalten werden. Doch die Idee Avanti und die Motivation sie zu leben bleibt. Und die Anzahl derer, die dies tun, wächst allmählich. Insofern kann die Kampagne als ein Auftakt für einen kreativen Sommer gesehen werden. Unserer Solidarität kann sich die Initiative dabei sicher sein.

Zum Weiterlesen: Avanti Blog und Facebook-Seite

HP_4Im Rahmen der Freiraumtage beteiligten sich am heutigen Samstag (11.4.2015) rund 180 Personen an einer Freiraumparade durch die Dortmunder City. Unter dem Motto   „Leben, Kämpfen, Feiern, Tanzen – Auf die Straße für das Soziale Zentrum Avanti“ zogen die AktivistInnen nach einer Auftaktkundgebung an der Katharinenstraße ab 14.30 Uhr über die Kampstraße zur Reinoldikirche. Angeführt von einer Trommelgruppe und begleitet von einer Einsatzhundertschaft sowie zahlreichen ZivilpolizistInnen zog die Demo lautstark und friedlich durch die Straßen. Mit Zwischenkundgebungen an der Reinoldikirche und am Nordmarkt endet die Demo auf dem Münstersraßenplatz.

In verschieden Redebeiträgen wurden die unterschiedlichen Formen von Verdrängung aus dem Innenstadtbereich sowie der langfristige Leerstand von nutzbaren Gebäuden kritisiert. Ob Wohnraum, Partyraum oder Platz zum Werken, daran fehlt es leider nach wie vor deutlich. Da HP_6wir diesen Raum nicht geschenkt bekommen werden, müssen wir ihn uns nehmen. Insofern erklärte sich die Demo auch solidarisch mit den BesetzerInnen des ehemaligen Aldi in der Straße Lütgenholz in der Nacht von Freitag auf Samstag, welche bereits nach kurzer Zeit geräumt wurden. Bei guter Laune und sonnigem Wetter brachte die Demo mit ihren Bässen die Leerstände ins Wanken und verdeutlichte, dass die Idee eines Sozialen Zentrums Avanti weiterhin gelebt und für sie gekämpft wird.

Bei der Abschlusskundgebung wurde auch auf den brutalen Messerangriff auf eine Person im Autonomen Zentrum Wuppertal hingewiesen. Bei dem Angriff wurde eine Person lebensgefährlich verletzt. Der Täter kommt vermutlich auch der neonazistischen Szene. Diese Attacke auf linke Strukturen zeigt einmal mehr, wie notwendig es ist Schutz zu organisieren und wachsam zu bleiben.

Anbei hier noch einmal der Aufruf:

„Seit August 2014 kämpft Avanti um ein Soziales Zentrum im Dortmunder Norden. Zwei Häuser wurden besetzt, Verhandlungen mit der Stadtverwaltung geführt und viel kreatives Potential freigesetzt. Mit den Freiraumtagen gibt es in der zweiten Aprilwoche den nächsten Versuch, einen selbstverwalteten Freiraum zu erkämpfen.

Unserer Forderung nach diesem Zentrum wollen wir am Samstag, den 11. April 2015 mit einer Demonstration Nachdruck verleihen. Wir werden HP_2das auf die Straße tragen, was wir in den sieben Tagen der besetzten Albertus-Magnus-Kirche und seitdem an vielen anderen Orten in dieser Stadt geschaffen haben. Mit einer Freiraumparade ziehen wir durch die Innen- und Nordstadt, tanzen zu guter Musik und bringen mit unserem Bass die Leerstände ins Wanken.

Denen, die uns aus leerstehenden Gebäuden heraustragen, um den Ausschluss der Bedürftigen vom Reichtum der Besitzenden durchzusetzen, halten wir unsere trotzige Freude entgegen. Wir sägen an den Stützbalken eurer Eigentumslogik!

Denen, die neugierig auf mehr sind, auf blühendes Leben und entschlossenen Kampf, machen wir ein Angebot. Lebt und kämpft mit uns für das Soziale Zentrum Avanti!“

HP_5

gegen_nazis1 Am Sonntag, den 21.12.2014, ist es rund 500 Antifaschisten, darunter uns SDAJlern gelungen die von der Partei „die Rechte“ geplanten Kundgebungen in der Nordstadt, in Mengende und in Hörde zu stören. Die Antifaschisten, die sich um das Bündnis BlockaDo organisierten, haben hierbei sogar gänzlich verhindert, dass der Partei „die Rechte“ ihre für 16:45 angemeldete Parade am Münsterplatz in der Nordstadt stattfinden konnte. Auch die im Anschluss geplante Parade im Stadtteil Hörde fand nicht statt.

Wir verurteilen hierbei die Rolle der Polizei, die sich teils überfordert, teils gewaltbereit zeigte. Mit brutalem Einsatz zeigte sich die Polizei wild entschlossen, die von den Nazis angemeldeten Kundgebungen gegen den massiven Protest von Antifaschisten und Anwohner durchzusetzen.

Durch massiven Einsatz von Pfefferspray, sowie das aufhetzen der Polizeihunde wurde die Gesundheit zahlreicher Antifaschisten massiv gefährdet. So wurde in die Menschenmenge, an der Ecke Münster/Malinckrodstraße mit dem gefährlichen chemischen Reizstoff geschossen, wovon unter anderem ein 10 Jähriges Kind betroffen ist und eine Gruppe von Jugendlichen in den Verkehr der stark befahrenen Malinckrodstraße gescheucht worden ist. Beide Vorfälle hätten schwere Konsequenzen für die Betroffenen haben können.

Auch sei zu erwähnen, dass weitere Demonstranten in der U-Bahn Haltestelle Leopoldstraße eingeschlossen wurden und für längere Zeit dort festgehalten worden sind.

Nichtsdestoweniger war der Tag ein voller Erfolg für alle Antifaschisten. Durch den massiven Widerstand gegen die Kundgebung der Nazis in der Nordstadt wurde ein klares Zeichen gegen den aufkommenden Rechtsruck in der Gesellschaft, sowie die Abscheulichkeiten rechter Überzeugungstäter aus den vergangenen Monaten gesetzt. Nach den Gewaltexzessen rechter Hooligans im Oktober in Köln, den PEGIDA Demonstrationen, an welchen sich bereits mehrere Tausend Menschen versammelten, dem Rathausangriff der Partei die Rechte im Mai, sowie den makabren Anfragen der Partei die Rechte im Rat der Stadt Dortmund, wo nicht zuletzt eine Judenkartei im Stile des „dritten Reiches“ angefordert worden ist, ist das als klare Ablehnung dessen verstehen.

Unser Dank gilt an der Stelle noch einmal allen demonstrierenden, die den Nazis gezeigt haben, dass sie unerwünscht sind!

 

 

 

 

Am kommenden Sonntag (21. Dezember) wollen Neonazis der Partei “Die Rechte” in der Nordstadt aufmarschieren. Kommt um 15:30 Uhr auf den Platz Münsterstr./Malinckrodtstraße und beteiligt euch an der Gegendemo von BlockaDo.

Ab 16:45 Uhr ist eine Kundgebung auf dem Platz an der Münsterstraße Ecke Malinckrodtstraße geplant. Die Nazis demonstrieren gegen die Einwohner der Nordstadt. Dass hier Menschen mit verschiedenen kulturellen und sozialen Hintergründen miteinander leben, passt nicht in ihr Weltbild. Mit ihrer Demonstration versuchen die Neonazis an die so genannten PEGIDA-Demonstrationen in Dresden anzuschließen. Dort demonstrieren seit Wochen tausende Menschen gegen Muslime und Asylsuchende in Deutschland. Wir wollen, dass es in Dortmund nicht so weit kommt und stellen uns den Rechten entgegen, bevor sie eine Massenbewegung aufbauen können.

BlockaDO wird am Sonntag auf den Platz an der Münsterstraße gehen. Wir werden uns den PLatz nehmen und den Nazis so die Möglichkeit nehmen, ihre Hetze zu verbreiten. Doch dafür brauchen wir die Hilfe von allen Menschen, die sich gegen Nazis und Rassismus wehren. In der Vergangenheit konnten wir schon einige Erfolge mit unseren Blockaden verzeichnen. Auch am Sonntag kommt es auf jeden an, der mit uns gemeinsam blockiert.

Wir nehmen wieder Platz!

(Quelle: BlockaDo)

Kobane_Solidemo_8.11._1Am heutigen Samstagnachmittag (8.11.2014) demonstrierten rund 500 Menschen ihre Solidarität mit den BewohnerInnen in der nordsyrischen Region Rojava, insbesondere der  weiterhin durch den IS attackierten Bevölkerung der Stadt Kobanê. Unter kämpferischen Parolen gegen Salafisten und die türkische Regierung, welche immer wieder Flüchtenden mit Tränengas zurück treibt und die Versorgung der eingeschlossenen Bevölkerung in Kobane erschwert, zog die Demonstration friedlich durch die Nordstadt. Von der Nordseite des Hauptbahnhofes führte die Route über Treibstrasse, Schützenstrasse, Mallinckrodtstrasse und Leopoldstrasse zum Burgtor.

An der Demonstration waren kurdische, türkische sowie deutsche linke Gruppierungen beteiligt.  Kobane_Solidemo_8.11._2Von ihnen wurde auch die Forderung nach der Aufhebung des PKK-Verbotes bekräftigt. Dieses Verbot kriminalisiert aktuell die praktische Solidaritätsarbeit mit den BewohnerInnen der Region Rojava. Nach den Aktionen vor einem Monat machte die heutige Demonstration deutlich, dass wir die für ihre Selbstbestimmung kämpfenden Menschen in Rojava nicht vergessen haben. Auch wenn das Thema aus den Schlagzeilen der meisten Medien verschwunden ist, geht die Verteidigung Kobanês weiter.

Bijî berxwedana Kobanê! Es lebe der Widerstand in Kobanê!

Kobane_Solidemo_8.11._3

Demo_29.8Bis zu 350 Menschen beteiligten sich heute abend (29.08.2014) an einer Solidemo für die BesetzerInnen der Albert Magnus Kirche und die Idee eines selbstverwalteten Zentrums in der Nordstadt. Auch wir waren dabei.

Räumung des Sozialen Zentrums Avanti

Heute vormittag durchsuchte die Polizei die besetzte Kirche auf Anordnung der Staatsanwaltschaft, um Ermittlungen im Fall eines versuchten Tötungsdeliktes durchzuführen. Die Ermittlungen bezogen sich auf den Wurf eines Gegenstandes vom Dach der besetzten Kirche in Richtung von Nazis am vergangenen Samstag. Nach Angaben der Polizei wurden in der Kirche 36 Personen kontrolliert und zwei Personen festgenommen, eine davon wegen des Verdachts der Beteiligung am versuchten Tötungsdelikt. Die anschließend ausgesprochenen Platzverweise bis zum kommenden Montag für den gesamten Block und die Beschlagnahmung der Kirche für weitere Ermittlungen, kommen de facto einer Räumung gleich. Der Wurf eines Gegenstandes in Richtung der Nazis ist nicht zu entschuldigen. Dennoch wurde nun gegen die Duldung seitens des zuständigen Pastoralverbundes Nordstadt-Ost der Existenz eines von mehreren hundert Menschen über knapp eine Woche genutzten Freiraumes ein jähes Ende beschert. Hier ließ der staatliche Repressionsapparat seine Muskeln spielen.

Lautstarke Demo durch City und Nordstadt

Gegen 19.20 Uhr startete die Demonstration an der Katharinenstrasse und zog lautstark über Kampstrasse, Nordwall und Leopoldstrasse. Begleitet wurde sie von einem großen Polizeiaufgabot, rund 150 BeamtInnen begleiteten die Demo im Spalier. An der Ecke Münsterstrasse/Heiligegartenstrasse wurde eine erste Zwischenkundgebung abgehalten. Weiter ging es  in die Nordstrasse, wo sich an der Ecke Nordstrasse/Heroldtrasse in Redebeiträgen der Mieterverein Dortmund und die Ratfraktion Bündnis 90/Die Grünen kritisch zum Leerstand äußerten und sich für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum aussprachen. Auf dem Nordmarkt endete die Demo mit einem letzten Redebeitrag, der zur Teilnahme an der Demo für die Erhaltung des Autonomen Zentrums Wuppertal am 18.10. aufrief.  Die Demo verlief friedlich und kraftvoll und weckt die Hoffnung, dass dies nicht die letzte Besetzung in Dortmund war.

Hohe Polizeipräsenz und Anquatschversuche

Neben der hohen Präsenz uniformierter BeamtInnen fielen auch eine Reihe ziviler StaatschützerInnen auf. Zu Fuß und im Auto beobachteten sie die Demo. Mindestens ein Beamter war damit beschäftigt mittels einer Fotomappe Personen ausfindig zu machen, andere fragten DemonstrantInnen, ob sie bei der Besetzung dabei gewesen wären. Auf dem Nordmarkt war dann auch der Leiter des Dortmunder Staatsschutzes zugegen. Aufgrund der Aufmerksamkeit seitens der Repressionsorgane weisen wir daraufhin, dass ihr bei Ansprachen durch BeamtInnen keine Auskunft geben müsst (außer euren Personalien und der Berufsbezeichnung) und am besten gar nicht erst ein Gespräch anfangt. Falls ihr eine Anquatschversuch erlebt oder mitbekommen habt, meldet das an politische Gruppen, zum Beispiel der Roten Hilfe. Wie mit der Polizei auf Demos umzugehen ist, könnt ihr hier nachlesen.

Pressemeldung der Polizei zur Durchsuchung (29.08)

Nordstadtblogger (30.08.)

logo_sdaj_rotAm heutigen Vormittag (29.8.2014) räumte die Dortmunder Polizei auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die besetzte Albert Magnus Kirche in der Enscheder Strasse 15 in der Dortmunder Nordstadt. Nach dem Wurf eines Gegenstandes gegen Nazis, die am vergangenen Samstag (23.08.2014) zunächst ohne Polizeibegleitung vor die besetzte Kirche zogen, wird nun wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt. Neben umfangreichen Maßnahmen zur Spurensicherung wurden auch 38 BesetzerInnen Platzverweise erteilt. Damit kommen die Ermittlungen einer Räumung gleich.

Dazu meint Tino T., Sprecher der Dortmunder SDAJ: „Der Wurf war unnötig und schadete der Sache der BesetzerInnen. Allerdings verwundert es, dass 40 Nazis ohne Polizeibegleitung an die besetzte Kirche heran kommen konnten und die Eskalation möglich wurde. Eine Polizeiführung, die bereits Demotage mit mehreren tausenden Menschen managte, schaffte es nicht oder wollte es nicht schaffen am vergangenen Samstag 40 Nazis im Zaum zu halten. Dass die Beweissicherung mehr ermitteln kann, als dass sich bestimmte Personen in Teilen der Kirche aufgehalten haben, ist fraglich. Mit dem heutigen Einsatz wurde von der Staatsanwaltschaft ein Kurs der Machtdemonstration und Einschüchterung gegen die Besetzung gefahren.“

Die knappe Woche in der das Soziale Zentrum Avanti bestand, machte deutlich, dass eine Alternative zu kapitalistischer Verwertungspolitik möglich ist.

logo_sdaj_rotWir gratulieren zur erfolgreichen Besetzung der Albertus-Magnus-Kirche und dem Aufbau des Sozialen Zentrums Avanti in der Enscheder Strasse. Nach allem was wir bisher gesehen und mitbekommen haben, bietet das Soziale Zentrum Avanti Räume abseits kommerzieller Freizeitkultur und kapitalistischer Wohnraumpolitik.

In ihrer Grundsatzerklärung kritisieren die BesetzerInnen Leerstände, Mangel an Wohnungen und Freiräumen für eigene Projekte. Angebote, wie das Dietrich-Keuning-Haus und das Jugendzentrum am Stollenpark, decken nur einen Teil des Bedarfs nach Raum für freies Lernen, freie Kunst und gemeinsame Projektarbeiten. Parallel dazu ist eine Reihe an Gebäuden in der Nordtstadt seit Jahren ungenutzt dem Verfall ausgesetzt. Weiterlesen »